Wer soll das bezahlen? Wer hat so viel Geld?

(Artikel) Wir leben am Beginn einer großen Transformation. Corona ist dafür die Ouvertüre. In den nächsten Jahren wird unser gesamten Gesellschafts- und Zivilisationsmodell grundlegend ändern (müssen).

Turmbau
Unsere moderne globale Zivilisation gleicht einer Gemeinschaft, die einen immer größeren Turm bauen will.  Alles Mögliche wird dafür aufgeboten, dass dieser Turm immer größer wird. Von überall wird Material herbeigekarrt. Vielerlei Kollateralschäden werden in Kauf genommen: Menschen müssen immer länger und intensiver arbeiten. Die Natur wird immer weiter zerstört. Die Ungleichheit wird immer größer. Psychische Erkrankungen nehmen zu.

Warum tun wir das? Wir tun es, weil es das moderne Geldsystem von uns verlangt: Unser modernes Geld MUSS immerzu wachsen. Die Geldbesitzer*innen würden Geld nicht verleihen, wenn sie nicht mehr dafür bekommen würden. Weil eine so arbeitsteilige Gesellschaft wie die unsere so abhängig vom Funktionieren des Geldsystems ist, wird im wahrsten Sinn des Wortes ALLES aufgeboten, was aufgeboten werden kann, damit Geld immer weiterwächst. – Und das schon seit vielen Generationen.

Fundamentale Krise
In den letzten Jahren ist unser modernes, globales Geldsystem in eine fundamentale Krise geraten: Trotz aller Ausbeutung und Naturzerstörung wird immer schwieriger, den Turm immer weiter und immer höher zu bauen. Spätestens seit der letzten Weltwirtschaftskrise (2008/09) wird immer mehr heiße Luft (wachsende Verschuldung und „billiges Geld“) in den Turm hineingeblasen. Das ist freilich nicht nachhaltig.

So sind wir heute Zeug*innen eines globalen Pyramidenspiels. Und wie es bei Pyramidenspielen halt so ist: Irgendwann ist die Party vorbei. Und wenn es vorbei ist, dann geht es schnell. – Nun: es weist viel darauf hin, dass es nicht mehr sehr lange dauern kann. Wie lange, kann niemand sagen. Vielleicht noch bis morgen, vielleicht noch Jahre, vielleicht sogar noch Jahrzehnte. Ich glaube, es wird nicht mehr lange dauern.

Was passiert, wenn die große Implosion passiert, lässt sich schwer sagen, weil alles sehr komplex und verwoben ist. Ein paar Dinge lassen sich aber sagen: Es wird das Geld als Kommunikationsmittel in eine fundamentale Krise fallen. Der riesige Geld- und Vermögensturm, der durch die viele heiße Luft immer fragiler wurde, wird rasch zusammenbrechen. Die Vermögenden werden unheimlich riesige Summen in den Sand schreiben müssen. Es wird der (inter)nationale Handel in eine fundamentale Krise kommen. Es werden die Staaten in fundamentale Finanzierungs- und Existenznöte geraten.

Tabula rasa
Wer wird dann alles bezahlen? Ich glaube, wir alle und niemand. Am Ende wird das globale Geldsystem implodieren. Im alten Mesopotamien nannte man es „tabula rasa“. Alle Schuldtafeln wurden zerbrochen; damit freilich auch die Vermögenstiteln. Es war die Zeit eines völligen Neubeginns: Aus der Asche des Alten konnte eine neue Gesellschaft formiert werden.

Die große Krise steht uns noch bevor. Doch wie jede Krise bietet auch diese Krise eine große Chance: die Transformation unserer Gesellschaft in Richtung einer wirklich gerechten und ökologischen Welt, die im Einklang mit der Natur steht und in wirklich in regionalen Kreisläufen wirtschaftet.

 

(erschien in der Zeitung von „Die Grünen: Generation Plus Oö“ – Dezember 2020)

 

Download: siehe hier: 201016 Wer soll das bezahlen